Formel E

Die Formel E spaltet seit ihrem Start im Jahr 2014 die motorsportlichen Geister. Für ihre Erfinder Jean Todt und Alejandro Agag ist der Elektrosport die Zukunft, für klassische Rennsportfans der Verrat am Sport. Die Formel E greift nämlich auf keinerlei Motorsportgene zurück. Begriffe wie „Season 5“ oder „Gen 2 “ verdeutlichen, daß es für sie keine motorsportliche Traditionen gibt.

Auch der Verzicht auf traditionelle Rennstrecken ist für viele Rennsportfans ein Dorn im Auge. Sie können mit den cleanen Eintagesveranstaltungen inmitten von hippen Großstädten nichts anfangen. Es fehlen der Flair, es fehlen die Gerüche, es fehlt der Lärm. Daß der dabei nötige Aufwand für Auf- und Abbau ganzer Rennstrecken sowie die anfangs verwendeten riesigen Dieselgeneratoren zur Erzeugung des benötigten Stroms den ökologischen Anspruch dieser Motorsportserie konterkarieren, sei hier nur am Rande erwähnt. Und auch daß die Fans via „Fanboost“ aktiv auf das Renngeschehen eingreifen können, indem sie beliebten Fahrern kurzzeitig mehr Energie zuweisen können, trägt nicht gerade zur Beliebtheitssteigerung unter echten Racefans bei.

Doch genau das ist im Sinne der Formel E-Macher. Die Formel E soll einfach anders als alle bisherigen Motorsportserien sein. Dies wird auch in diesem Buch deutlich. Angefangen von dem futuristischen Design der Fahrzeuge über den bisherigen Modus mit Fahrzeugwechsel zur Rennmitte bis hin zu verschachtelten Straßenkursen in Lifestyle-Städten zeigt das großformatige Buch in vielen erstklassigen Fotos und sehr guten Texten alle Eigenarten der Formel E. Dabei wird deutlich, daß die Formel E – fernab von den oben genannten Kritikpunkten – auch ein weites Feld für Ingenieure ist, die ihre Erfahrungen und Ideen im Bereich der Elektromobilität einbringen und erweitern können. Und auch für die Fahrer, vom Rookie über gestandene Langstreckenfahrer bis hin zu ex-Formel 1-Piloten wie Nick Heidfeld oder Felipe Massa, bietet die Formel E neue Herausforderungen: Seien es die Einheitsreifen, das Energiemanagement oder auch der knackige Rennmodus mit Training, Qualifying und Rennen an einem einzigen Tag.

Daher finden sich auch Kapitel über Teamchefs, Fahrer und Techniker sowie ein eigener Statistikteil. So ist das Buch ein gutes Werk über die noch kurze Geschichte einer umstrittenen Rennserie – und genauso wie sein Thema: Hochglanz, Lifestyle, bunt, modern, energiegeladen. Nur nicht klassisch.

Edwin Baaske: Formel E – The Story. Verlag Delius Klasing

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