Abarth Racing Cars

Motorsportbegeisterte Österreicher wissen die Marke Abarth zu schätzen – wissen sie doch, daß „Carlo“ Abarth Wiener Blut in sich trug. Nun würdigt ein neues Buch seine Rennfahrzeuge.

Spätestens seit den retro-technisch hervorragend vermarkteten Abarth-Modellen aus dem Hause Fiat ist es wieder „in“, stolz den Skorpion – Carlo Abarths Stern- und Markenzeichen – auf der Haube zu tragen. Der sportliche Ruf dieser Fahrzeuge kommt dabei nicht von ungefähr:  Seit der Firmengründung im Jahre 1949 optimierte der ehemalige Motorradrennfahrer Abarth Serienmodelle zumeist italienischer Automarken zu spritzigen Rennfahrzeugen. Nicht nur auf Rennstrecken und mit gelernten Rennfahrern am Steuer, sondern auch bei vielen Amateurveranstaltungen erzielten seine Boliden zahlreiche Erfolge und machten den 1908 geborenen Wiener zu einem bekannten und gefragten Tuner, bis er sein Unternehmen 1971 an den Fiat-Konzern 1971 verkaufte. Viele Jahre später besann sich schließlich auch Fiat wieder auf den bekannten Spruch Abarths „Nur durch Ignoranz kann mein Name in Vergessenheit geraten“ und nutzte den berühmten Namen des 1979 verstorbenen Wieners erneut für sportlich-ambitionierte Serienfahrzeuge wie den Abarth 124 Spider oder den Fiat 500 Abarth.

Das umfassende Werk aus dem Verlag Delius-Klasing würdigt die Geschichte des Unternehmens Abarth ausführlich und stellt daher zunächst die Person Carlo Abarth vor. Hierbei kommen Zeitgenossen zu Wort, die z.B. als Werks- und Rennfahrer, als Designer oder als Ingenieur mit Abarth zu tun gehabt haben. Darunter finden sich berühmte Piloten wie Derek Bell, Kurt Ahrens, Lauda-Retter Arturio Merzario oder auch Hans Herrmann. Aber auch österreichische Benzinbrüder wie Dieter Quester, Johannes Ortner oder der legendäre Heinz Prüller steuern ihre Erinnerungen bei, abgerundet von den Worten des ehemaligen Abarth-Rennmechanikers und Co-Autors Franz R. Steinbacher.

Anschließend folgt der bildgewaltige Hauptteil des Buches. Auf über 300 Seiten werden knapp 50 Autos der berühmten Möll-Collection vorgestellt. Hierbei handelt es sich um die Sammlung des ehemaligen Abarth-Werksfahrers Engelbert Möll, welcher 1963 nach einem schweren Unfall seine Karriere früh beenden mußte. Seit den späten 1970er-Jahren sammelte er dann Abarth-Rennfahrzeuge aus der ganzen Welt, sodaß seine Collection nun die gesamte Rennhistorie dieser Marke umfaßt und wahrlich einzigartig ist. Diese Fahrzeuge wurden für das Buch von renommierten internationalen Fotografen wie z.B. Stefan Bogner, Steve McCurry, Remi Dargegen, oder Frank Schönau in voller Aktion oder in raffiniert-detailverliebten Arrangements abgelichtet. So findet der geneigte Leser auf über 300 Fotos neben Prototypen und hochinteressanten Einzelstücken auch Abarth-Fahrzeuge wie beispielsweise den „2000 Sport Spider“ oder das „1300 OT Coupé Periscopio“. Aber natürlich dürfen auch die Rennsemmeln wie der „1000 TCR Radiale“ nicht fehlen, welcher 1968 sogar das 6-Stunden-Tourenwagenrennen auf dem Nürburgring gewann!

Kurze Daten- und Textblöcke runden dabei die jeweiligen Kapitel ab, welche durch zahlreiche historische Fotos ergänzt werden. Dadurch ist das Buch nicht nur für eingefleischte Abarth-Fans interessant, sondern generell für Freunde des Motorsports aus den 1960er und 1970er-Jahren. Stichworte wie die Targa Florio in Sizilien, Berg-Europameisterschaft oder Sportwagenrennen dürften als Anreiz genügen.

Dieses Buch ist ein hervorragendes Werk über das Lebenswerk Carlo Abarths. Beeindruckende Fotos und ein qualitativ hochwertiges Buch rechtfertigen dabei auch den durchaus selbstbewußten Preis von etwa 80.- Euro.

„Abarth“ Racing Cars • Collection 1949-1974, Verlag Delius-Klasing, dreisprachige Ausgabe (deutsch/englisch/italienisch)

 

 

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